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Das Paradoxon des Bogenschießens

Wenn wir mit unserem Bogen einen Pfeil abschießen, kommt es uns vor als ob der Pfeil in gerader Linie den Bogen verläßt und kerzengerade auf das Ziel zu fliegt. Der Abschuß erfolgt aber so schnell, dass unser Auge die Abläufe nicht verfolgen kann. Erst mittels Zeitlupenaufnahmen konnte man herraus finden, was beim Abschuss passiert. Dieser Text soll in Wort und Bild die Abläufe erklären. Dabei wird der Vorgang für einen Rechtshandschützen beschrieben. Für einen Linkshandschützen gelten die gleichen Fakten, jedoch spiegelverkehrt.

Die DVD "Der Weg ins Zentrum" (Artikelnummer 90080) enthält viele Zeitlupenaufnahmen, die die hier beschriebenen Abläufe aus verschiedenen Perspektiven darstellt. Auf der Webseite des Herstellers werden kurze Beispielausschnitte zum download angeboten. Sie sollten sich diese Szenen ansehen. Siehe http://www.wernerbeiter.com/de/produkte/videos/video.php

Die Phasen 

Die folgende Grafik zeigt die verschiedenen Phasen:

paradoxon

Phase1:
Wenn wir an der Sehne ziehen übertragen wir die Energie unserer Muskeln in den Bogen. Der Bogen speichert diese Energie und gibt sie schlagartig wieder ab, sobald wir die Sehne loslassen. Die Pfeilspitze zeigt beim Vollauszug leicht nach links.

Phase2:
Die Wurfarme werden stark beschleunigt. Der Pfeil bleibt jedoch auf Grund seiner Masse (Trägheitsgesetz) stehen und biegt sich durch. Da die Sehne beim Lösen von den Fingern abrollt und daher nach links abgelenkt wird, erfolgt die Durchbiegung des Schaftes nach rechts.

Phase3:
Nun setzt sich der Schaft in Bewegung und schwingt in die entgegen gesetzte Richtung (links). Sofern der Spine stimmt windet er sich um den Bogengriff herum und verläßt den Bogen, ohne ihn in dieser Phase zu berühren.

Phase4 und 5:
Der Pfeil schwingt im Flug noch eine Zeit lang nach und "schlängelt" sich in Richtung Ziel. Er stabilisiert sich irgendwann. Wie lange er dafür braucht, hängt von verschiedenen Faktoren ab (siehe unten).

Einflußgrößen

Verschiedene Faktoren beeinflußen den ganzen Ablauf:

  • Zuggewicht des Bogens.
  • Auszuglänge des Schützen.
  • Spinewert des Schaftes.
  • Eigendämpfung des Schaftholzes.
  • Befiederung (Form und Größe, bzw. der Luftwiederstand).
  • Spitzengewicht.
  • Der Ablass (Release).
  • Bogenart (Langbogen oder Recurve).
  • Bogenmaterial.
  • Sehnenmaterial und Stranganzahl der Sehne.
  • Gewicht der Sehne (z.B Nockpunkte aus Messing).
  • Dicke des Griffes an der Pfeilauflage.

Wenn nun eine oder sogar mehrere Faktoren nicht zusammen harmonieren, wird der Pfeil den Bogen nicht sauber verlassen (siehe Die Folgen).  Wie man diese Faktoren auf einander Abstimmt wird an anderer Stelle erklärt.

Die Folgen 

Sollte der Spine (die Biegesteifigkeit) nicht zu den anderen Faktoren passen, so wird der oben genannte Ablauf gestört. Der Pfeil wird abgelenkt oder verliert zumindest an Energie. Die Folgen für einen Rechtshandschützen:

Ist der Schaft zu weich, biegt er sich zu stark durch und braucht er zu lange um sich zu stabilisieren. Man sagt der Pfeil wedelt (siehe Artikel Reiten und wedeln ). Er kann dabei auch nach rechts abdriften.

Ist er zu hart, biegt er sich nicht genug durch und schlägt vielleicht sogar am Bogen an. Wenn der Pfeil anschlägt kann man das oft sogar hören. Der Pfeil neigt dazu nach links abzudriften.

Weiterführende Informationen